Montag, 18. Juli 2011

Gibt es den Fußballgott etwa doch?

Dieser Moment wird in die Geschichte eingehen – so oder so. Dieser einzigartige Moment, als sich die Auswahl der japanischen Frauen gestern Abend den Weltmeistertitel im Fußball sicherte. Zweimal waren sie schon in Rückstand, lagen schon geschlagen am Boden und kamen doch wieder zurück und wie. Gegen den zweimaligen WM-Champion USA zeigten die Asiatinnen in der WM-Arena von Frankfurt über 120 Minuten und mehr unbändigen Kampfgeist. Erst im Elfmeterkrimi hatten sie gegen den früheren Kriegsgegner die Nase vorne, zeigten Nerven aus Stahl. Körperlich unterlegen, aber auf den Punkt fit und mit großer Ballsicherheit traten sie auf. Selbst in der Verlängerung beim 1:2-Zwischenstand spielten sie ihren Stiefel runter – von Hektik oder blindem Anrennen keine Spur. Dieser Turniersieg des im Vorfeld oft belächelten Außenseiters ist mehr als verdient, er ist Balsam für die von der Erdbebenkatastrophe so bitter und schmerzhaft gebeutelte japanische Seele. Die US-Girls hatten das Spiel eigentlich im Griff, verpassten unter dem Strich nur die Entscheidung. Zudem zeigten die Damen aus den Vereinigten Staaten Schwächen vom Elfmeterpunkt, während die Spielerinnen aus Fernost über sich hinauswuchsen. Sie wollten diesen Sieg, für sich und für die ganze Nation. Gejubelt haben sie – lautstark und mit (Freuden)Tränen in den Augen – nicht nur in der Mainmetropole. All das Leid, das sich auf und rund um die vier Hauptinseln Kyushu, Shikoku, Honshu und Hokkaido durch eine verheerende Naturkatastrophe in den vergangenen Monaten ansammelte und abspielte, schien für diesen einen Augenblick vergessen. Und auch der so wolkenverhangene Himmel wirkte plötzlich heller, nicht nur des gigantischen Feuerwerks wegen. Selbst die deutschen Auswahlspielerinnen konnten als Zaungäste wieder lachen und applaudierten. Es war, als hätte es irgendjemand genau so gewollt. So wie die Handlung in einem klassischen Kriminalroman wirkte alles logisch. Wahrscheinlich gibt es ihn doch, den Fußballgott.

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