Donnerstag, 25. August 2011

Während es in Deutschland kracht, atmet Spanien auf

Oha, was hat DFB- und Bayern-Kapitän Philipp Lahm da nur ins Rollen gebracht. Eigentlich geht es Fußball-Deutschland gut, sehr gut sogar. Die Vereine sind mehr (Bayern) oder weniger (Schalke) schuldenfrei, in der UEFA-Wertung hat Deutschland in den vergangenen Jahren richtig Boden gut gemacht. Nur international - also im Ländervergleich - fehlen seit 1996 die (großen) Titel. Das sollte oder soll sich am besten im kommenden Jahr bei der Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine ändern und/oder bei der WM 2014 in Brasilien. Und das alles mit Spielführer Lahm, der sich nun harsche Kritik anhören muss. Rudi Völler ist richtig auf 180, ausgerechnet Großverdiener Felix Magath wirft dem 27-Jährigen "Geldgeilheit" vor. Und in der DFB-Zentrale in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise rauchen die Köpfe, was nun zu tun ist. Ganz andere Sorgen hatten da die Spanier, mit denen sich die DFB-Auswahl - wie erwähnt - um die nächsten Pokale streiten will. Die Spieler auf der iberischen Halbinsel befanden sich im Streik, warteten Wochen und Monate auf ihren Lohn und TV-Gelder. Wieder geht es im Profifußball nur um das liebe Geld. Nachdem eine Mammut-Sitzung in der Nacht zu Donnerstag noch ergebnislos endete, konnte Ligapräsident Jose Luis Astiazaran am Donnerstagmittag "Grünes Licht" geben. Schon am kommenden Wochenende ist in Spanien wieder Futbol angesagt. Auch Samuel Eto'o hat im Nordkaukasus endlich unterschrieben - für drei Jahre und 20 Millionen Euro per anno. Soviel bekommen die spanischen Profis nicht, oder - im Fall von Real und Barca - noch nicht ganz. Und Lahm? Der wird mit seinem Buch auch keine Unsummen verdienen, aber er hat da für richtig großen Wirbel gesorgt. Ob er sich damit einen Gefallen getan hat?

Mittwoch, 24. August 2011

Getroffene Hunde bellen (besonders laut)

DFB- und Bayern-Kapitän Philipp Lahm sorgt mit seinem Buch „Der feine Unterschied“ für Aufsehen und für so manchen Aufschrei in der Bundesliga. Auch „Tante Käthe“ fühlt sich ziemlich auf den Schlips getreten, macht einen auf „getroffenen Hund“. Und die Tatsache, dass die bekanntlich besonders laut bellen, ist unbestritten und bewahrheitet sich im Fall von Rudi Völler gerade. Denn nicht nur Felix Magath, Jürgen Klinsmann und Louis van Gaal werden von Lahm kritisiert, sondern eben auch Ex-DFB-Teamchef Völler, unter dem der Stern des Außenverteidigers mit dem Adler auf der Brust aufzublühen begann. „Ich empfinde das als Frechheit ohnegleichen, was er da beispielsweise über seinen ehemaligen Trainer Jürgen Klinsmann geschrieben hat“, wetterte der Sportdirektor von Bayer Leverkusen bei den Kollegen der dpa. Nun, dass der ehemalige Torjäger ein sehr emotionaler Mensch ist, der gerne aus der Haut fährt, auch das ist Kennern der Fußballszene bekannt. Wer erinnert sich nicht an den legendären Streit des ehemaligen Bundestrainers mit Waldemar „Weißbier-Waldi“ Hartmann nach einem mehr als durchwachsenen Länderspiel? Lahm habe „null Charakter“, fügte Völler hinzu: „Auf dem Platz Weltklasse, außerhalb Kreisklasse.“ Starke Worte von einem, der als Bundestrainer nach der völlig verkorksten Europameisterschaft 2004 in Portugal nicht den besten Abgang aufs bundesdeutsche Parkett legte. Aber: Wir wollen und werden Rudi an dieser Stelle nicht jegliche (Trainer)Kompetenz absprechen. Warum? Ganz einfach, weil Deutschland unter ihm die in der jüngsten Vergangenheit scheinbar unschlagbaren Spanier mit 4:1 demontierte. Gut, es war „nur“ ein Freundschaftsspiel. Doch von einem Sieg gegen die Männer von der iberischen Halbinsel kann Hobby-Autor Philipp Lahm vorerst nur träumen. Bis, ja bis er und seine Mitspieler ihre Nerven in den Griff kriegen und ein weiteres (Erfolgs)Kapitel deutscher Fußballgeschichte schreiben. Eben eines mit dem so genannten „feinen Unterschied“ wie es Lahm nennt.

Dienstag, 23. August 2011

Lahm ergreift mal schnell das Wort

Gerade erst musste sich Philipp Lahm, Kapitän des FC Bayern München, von seinem Ex-Mitspieler Oliver Kahn ein paar deftige Worte anhören. Zwar nicht wie – zwischen echten Männern üblich – unter vier Augen bei einem gepflegten Bierchen, sondern (feige) versteckt in irgendeinem Blog. Das hat einer seiner Amtsvorgänger eigentlich nicht nötig. Der „Titan“ sprach dem 27-jährigen Außenverteidiger Führungsqualitäten ab, bezeichnete Lahm indirekt als zu still (auf dem Platz). Eine gewagte These, wenn man bedenkt, dass der Spielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für eine in einer Münchener Tageszeitung geäußerten öffentlichen Kritik am „Betriebsklima“ beim deutschen Rekordmeister eine saftige Geldstrafe aufgebrummt bekam. Ist der Angriff des ehemaligen Welttorhüters also nur heiße Luft, liegt der 42-Jährige mit seiner Einschätzung daneben? Gut möglich, denn soeben hat der junge Mann, der „Den feinen Unterschied“ kennt, öffentlich nachgelegt. In seinem gleichnamigen Buch holt der Nationalspieler zum Rundumschlag gegen seine ehemaligen Trainer Jürgen Klinsmann, Felix Magath und Louis van Gaal aus. „Bei Klinsmann trainierten wir fast nur Fitness. Taktische Belange kamen zu kurz. Wir Spieler mussten uns selbstständig zusammentun, um vor dem Spiel zu besprechen, wie wir überhaupt spielen wollten“, schreibt der Platzhirsch da. Aha, dieser Seitenhieb hat gesessen. „Felix Magath arbeitet mit Druck. Er lässt viele Spieler im Ungewissen, ob er auf sie setzt, und holt auf diese Weise ein Maximum an Einsatz aus ihnen heraus. Für die Spieler ist das sehr anstrengend, und es kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo sie nicht mehr auf der Seite des Trainers stehen.“ Und der nächste Befreiungsschlag des 1,70 Meter-Mannes. „Louis van Gaal ist ein Trainer mit hohen Ansprüchen. Er hält viel von Disziplin, und er hält viel von sich selbst“, charakterisiert er den Holländer. Hat er da womöglich etwas mit Oliver Kahn gemeinsam? Fazit: Gut gebrüllt, „Käpt‘n Lahm.“ Er ist eben doch ein echter Führungsspieler.

Montag, 22. August 2011

Heynckes setzt auf die Hitzfeld’sche Taktik

„Fußball ist keine Mathematik“, wetterte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsboss des FC Bayern München, einst in Richtung von Erfolgscoach Ottmar Hitzfeld. Damals spielte Bayern im Uefa-Cup gegen die Bolton Wanderers nur 2:2, der heutige Schweizer Auswahltrainer hatte gegen den Außenseiter von der britischen Insel auf Rotation gesetzt. Und wieder einmal ist es soweit: „Was geht mich mein Geschwätz von gestern an?“, könnte man Herrn Rummenigge in diesen Tagen in den Mund legen. Denn Jupp Heynckes, der seit Saisonbeginn den Trainingsbetrieb an der Säbener Straße leitet, ist wie „General Hitzfeld“ ein ausgewiesener Freund und Befürworter des „Bäumchen-wechsel-Dich-Spiels“ auf dem Rasen. „Die Zweiklassengesellschaft wird verhindert, alle spüren, dass sie dazugehören“, sagte FCB-Präsident Uli Hoeneß zur Marschroute seines Kumpels Jupp. Der hatte bei der 5:0-Gala gegen den Hamburger SV dem neuen Abwehrchef und Ex-Hamburger Jérôme Boateng sowie Toni Kroos und Luiz Gustavo eine Pause gegönnt, ließ dafür Daniel van Buyten, Thomas Müller und Anatoliy Tymoshchuk von Beginn an spielen. „Müller spielt bei mir immer“, sagte einst Louis van Gaal, Heynckes sieht das anders. Und die Betroffenen ziehen mit, halten zumindest extern den Mund und setzten sich brav auf die Bank. „Ich wusste schon am Freitag nach dem Training, dass ich Ersatz sein würde, das war abgesprochen“, erklärte Boateng gegenüber den Kollegen von Sport1. „Jupp Heynckes vermittelt das sehr gut, er redet viel mit uns. Und er hat genug Erfahrung, wie er es den Spielern rüberbringt.“ Apropos Bank. Auf dieser wäre Nationalstürmer Miroslav Klose in dieser Spielzeit mit Sicherheit auch nicht versauert. Erst recht jetzt, wo Ivica Olic erneut für sechs bis acht Wochen pausieren muss. Bayern überlegt, noch einen Stürmer zu holen, obwohl die Planungen eigentlich abgeschlossen waren. Naja, so schnell ändern sich die Dinge und auch lange Zeit (festgefahrene) Meinungen – stimmt’s Herr Rummenigge?

Freitag, 19. August 2011

„Hitz The Hammer“ is back

Dass Felix Magath einer der ungewöhnlichsten, weil außergewöhnlichsten Übungsleiter des (deutschen) Profifußballs ist, kann man kaum bestreiten. Acht Vereine der 1. Fußball-Bundesliga coachte Magath schon, heuerte im Frühjahr das zweite Mal beim VfL Wolfsburg an. Nachdem er den Ex-Bayer Hasan Salihamidzic sensationell zu den „Wölfen“ lotste, setzte der dreimalige Deutsche Meister unter den Trainern vorgestern noch einen drauf. Völlig überraschend holte „Quälix“ Thomas Hitzlsperger in die Autostadt, verspricht sich von dem Linksfuß mehr Stabilität im zentralen Mittelfeld. Zuletzt kickte der Ex-Stuttgarter, der mit den Schwaben 2007 den Meistertitel errang, bei West Ham United in seiner langjährigen fußballerischen Heimat England. Dort bekam der 29-Jährige den Spitznamen „Hitz The Hammer“ verpasst, weil er den Ball gerne einmal aus weiten Entfernungen in die gegnerischen Maschen drosch. Nachdem er beim VfB von Markus Babbel für die sportliche Talfahrt mitverantwortlich gemacht wurde und am 1. Dezember 2009 die Kapitänsbinde abgenommen bekam, entschloss sich der inzwischen zum Dauerreservisten degradierte Nationalspieler zu einem Wechsel – oder nennen wir es besser zur Flucht – in Richtung Lazio Rom. Dort wurde der waschechte Bayer nicht heimisch und kehrte „nach Hause“ auf die britische Insel zurück. Bei West Ham stieg „Hitzl“ zum Saisonende ab und sein – nur für die Premier League gültiger – Vertrag wurde aufgelöst. Nach Wochen der Vereinslosigkeit griff der 58-jährige „Ober-Wolf“ zu und schenkte Hitzlsperger eine neue Chance, die er unbedingt auch im Trikot mit dem Bundesadler bekommen möchte. „Ich habe Woche für Woche Zeit, mich in der Bundesliga zu zeigen“, sagte der Rückkehrer bei seiner Vorstellung. „Und natürlich auch dem Bundestrainer“, fügte der 52-fache Auswahlspieler hinzu. Wäre doch der Hammer, wenn „Hitz The Hammer“ wieder für positive Schlagzeilen sorgt. Das Zeug dazu hat er – schließlich musste er sich als Jüngster gegen sechs Geschwister behaupten.