Donnerstag, 6. Oktober 2011

Wer will oder soll denn nun wo spielen?

Vor dem EM-Qualifikationsspiel zwischen der Türkei und Deutschland am Freitag, 7. Oktober, ab 20 Uhr ist eine rege Diskussion im Gange – und das lange, bevor es überhaupt auf dem Rasen in Istanbul ernst wird. Denn sowohl den deutschen als auch den türkischen Fußballverband scheinen vor dem brisanten Duell gewisse Existenzängste zu plagen. Mesut Özil, Serdar Tasci, Malik Fathi und vielleicht bald Ilkay Gündogan – um einmal ein paar Spieler zu nennen – haben oder werden das Trikot der DFB-Auswahl tragen, die Altintop-Brüder Hamit und Halil, Nuri Sahin oder ab morgen auch Ömer Toprak haben sich beispielsweise für die Nationalmannschaft ihrer Väter und/oder Mütter entschieden. Beide Entscheidungen sind absolut verständlich und müssen, oder sollten von allen Beteiligten akzeptiert werden. Zwar sind alle aufgeführten – um wie gesagt nur einige zu nennen – in der Bundesrepublik geboren, sprechen mitunter besser Deutsch als Türkisch. Aber in ihren Adern fließt auch türkisches Blut. Es ist doch egal, für welchen Landesverband die Jungs – auch die mit Migrationshintergrund anderer Nationen – auflaufen. Entscheidend ist, dass sie alle ihr Hobby, das sie zum Beruf gemacht haben, mit Leidenschaft und Hingabe ausüben. Da ist es nicht wichtig, ob sie ein weißes, ein rotes oder ein andersfarbiges Trikot tragen. Sondern vielmehr, dass sie sich mit ihrer Entscheidung wohlfühlen. Da spielen Überlegungen, bei welchem Land man größere Chancen auf einen Stammplatz hat, gar keine beziehungsweise nur eine untergeordnete Rolle. Und dass beide Landesverbände bereits bei den Jugend-Nationalmannschaften kräftig die Werbetrommel rühren, ist doch in Ordnung. So lange der oder die angesprochenen Spieler frei entscheiden können, für welche Auswahl sie bei einer Nominierung dann die Schuhe schnüren wollen. Schließlich geht es dabei nur um Sport und nicht um politische Machtkämpfe. Zumindest sollte es das doch.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Alle guten Dinge sind fünf, oder?

Marco Reus ist ein begnadeter Techniker, sorgt mit Borussia Mönchengladbach besonders in der aktuellen Spielzeit für Furore. Torgefährlichkeit, Spielübersicht und Antrittsstärke – das sind nur drei Dinge, die den 22-jährigen Jungstar auszeichnen. Das weckt internationale, aber auch nationale Begehrlichkeiten. Nicht nur bei Bayern München, sondern vor allem beim Deutschen-Fußball-Bund (DFB). Seit 2009 spielt er am Niederrhein, hat Vertrag bis 2015. Ob er diesen erfüllen wird, wenn er so weiterspielt, darf entschieden bezweifelt werden. Sein erstes Bundesliga-Tor schoss er nach einem Solo über den halben Platz gegen Mainz 05. Genau dorthin kehrte er jetzt mit dem DFB-Tross zurück und möchte einfach nur fit bleiben. Denn der Profi, der aus der Stadt des Meisters stammt, hat ein weiteres Kennzeichen – seine Verletzungsanfälligkeit. Bereits viermal musste Reus, der für Gladbach in 73 Ligaspielen inzwischen 20 Treffer erzielte, der deutschen Fußball-Nationalmannschaft absagen. „Diesmal wird Marco kommen, da bin ich ganz sicher“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. „Jogi“ hatte den Junioren-Auswahlspieler mit dem blond-gefärbten Irokesenschnitt am Samstag in Freiburg beim 0:1 von Borussia Mönchengladbach gegen den SC selbst beobachtet. Da zeigte der Blondschopf nicht sein bestes Spiel, aber er blieb gesund. Das sollte den 51-jährigen Bundestrainer beruhigt haben, schließlich traut er seinem Debütanten einiges zu. „Er sucht immer den Abschluss, ist trickreich und kann eine Abwehr ganz alleine beschäftigen“, lobt der DFB-Coach. Und was denkt der Gladbacher selbst? „Diesmal ist alles okay. Wann ich spiele, ist egal. Die Hauptsache ist, dass ich überhaupt irgendwann mein Debüt feiere“, sagt der Dribbelkünstler gegenüber Sport1 mit einem Augenzwinkern. Es wäre ihm und der deutschen Auswahl zu wünschen. Schließlich wäre er einer, der Mesut Özil, Mario Götze, Lukas Podolski und Thomas Müller in der Zentrale oder auf den Flügeln unterstützen, aber auch entlasten könnte. Wir drücken ihm die Daumen.

Dienstag, 4. Oktober 2011

Ein verjagter „Bayer“, den Italien über alles liebt

Miroslav „Miro“ Klose weiß, wie man begeistert. Fans, Medien und Freunde des runden Leders, äh der runden Plastikkugel. Diese streichelt der 33-jährige Ex-Bayer seit dieser Saison für Lazio Rom. In der italienischen Serie A ist der deutsche Nationalspieler angekommen, trifft nicht nur mit dem Adler auf der Brust beinahe nach Belieben. Drei Tore in fünf Partien sind aktuell eine starke Quote. Beim 2:1-Sieg von Lazio über den AC Florenz steuerte der Stürmer einen Treffer bei und bereitete den anderen für den Hauptstadtklub vor. Lob bekam er dafür von allen Seiten, auch von der sonst so kritischen Medienlandschaft der Südeuropäer. „Miro wie Picasso“, schrieb beispielsweise der „Corriere dello Sport“ und verglich den ehemaligen Lauterer und Bremer mit dem berühmten Maler. Ein größeres Lob gibt es kaum. Eines, das auch auf Alpennordseite Gehör finden dürfte. Denn der deutsche Rekordmeister FC Bayern München – der dem zweifachen Familienvater – keinen neuen Kontrakt mehr geben wollte, hat derzeit zum kränkelnden Mario Gomez keine wirkliche Alternative. Gut, die Bayern boten dem jetzigen Römer einen – ganz nach dem hausinternen bayerischen Gesetz für Ü30-Kicker – Einjahresvertrag an, Miro Klose hätte allerdings nur bei einem Arbeitspapier mit 24 Monaten Dauer weiterhin an der Isar seinen berühmten Salto gemacht. So entschied sich der Angreifer für eine Rolle rückwärts beziehungsweise für einen Wechsel und stieg in Italien zum Helden auf. „Klose ist auf dem Spielfeld wie ein Killer“, beschrieb „Il Giornale“ den neuen Liebling in himmelblauen Farben. Und die Bayern? Denen dürfte langsam aber sicher endgültig klar sein, dass sie sich mit dem mickrigen Angebot für Klose selbst ins Knie geschossen haben. Übrigens in das Körperteil, in dem es Dauerläufer Ivica Olic erneut seit Wochen zwickt und zwicken wird. Und bei Zweitliga-Torschützen Nils Petersen kann man beim FC Bayern ohnehin nichts übers Knie brechen. Der Cottbusser Neuzugang braucht noch Zeit - und davon nicht wenig. Zeit, die Bayern kaum haben dürfte.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Es gibt Dinge, die ändern sich (wahrscheinlich) nie

Fußball ist langweilig, berechenbar immer das gleiche? Ja und Nein. Ja, weil sich gewisse Dinge und Abläufe oftmals wiederholen. Und nein, weil es immer wieder Sachen gibt, mit denen keiner rechnet beziehungsweise rechnen kann. Aber: Im deutschen Profifußball gibt es etwas, dass seit Jahren immer wieder passiert. Der FC Bayern München marschiert vorne weg, die Konkurrenz läuft hinterher. So ist es gerade, nach acht Spieltagen der aktuellen Bundesliga-Saison. Dabei spielten die Bayern "nur" 0:0 bei 1899 Hoffenheim, konnten sich aber trotzdem freuen. Denn Schlussmann Manuel Neuer knackte den Gegentorlos-Rekord des Titanen - Oliver Kahn. Der Nationalkeeper ist nun seit über 1000 Minuten wettbewerbsübergreifend ohne Gegentreffer geblieben. Dabei hatte Ex-Bayer und Wieder-Bremer Claudio Pizarro dem Rekordmeister einen Einbruch prophezeit, von Alleingang wollte der treffsicherste ausländische Torjäger im Fußball-Oberhaus nichts wissen. Gut, die Bayern spielten unentschieden, verloren aber nicht. Und: Von einem Einbruch zu sprechen wäre ohnehin zu früh. Verfolger Werder Bremen hätte bei einem Sieg in Hannover heute punktemäßig zu Bayern aufschließen können. Doch Pizarro und Co. - die selbsternannten Bayern-Jäger - verloren bei 96 mit 1:3, der Peruaner netzte einmal ein. So wird das nichts mit dem Angriff auf den Platzhirsch. Und was machte der zweite Verfolger der "Roten" vom Niederrhein? Auch der ging gestern ordentlich baden. Gladbach unterlag nämlich in Freiburg mit 0:1. Es gibt eben Dinge, die ändern sich nicht - oder nie. Denn, wenn der FC Bayern patzt, schenken die anderen die Punkte auch her. Es ist doch immer das gleiche, oder?

Samstag, 1. Oktober 2011

Strandet Robben (wieder) nur auf der Bank?

Solche Probleme würden andere Vereine in der 1. Fußball-Bundesliga nur allzu gerne haben. Denn der FC Bayern München hat augenblicklich ein Luxusproblem – und zwar ein großes. Arjen Robben wird, beziehungsweise ist nach eigenem Empfinden wieder fit, drängt heute Nachmittag (15.30 Uhr) bei 1899 Hoffenheim auf einen Einsatz von Beginn an. Doch, wo soll der holländische Weltstar auflaufen? Links wirbelt Franck Ribéry in der Form seines Lebens, in der Zentrale zeigt Toni Kroos, was er wirklich kann. Auf der rechten Seite – der eigentlichen Position von Robben – macht WM-Torschützenkönig Thomas Müller seine Sache ausgezeichnet. Dass es gegen Manchester City unter der Woche in der Champions League für den Linksfuß nur für einen Drei-Minuten-Einsatz reichte, stieß vielen sauer auf – nicht nur den Fans. Vor allem die „Nummer 10“ war ordentlich stinkig, verschwand gleich nach dem Abpfiff wortlos in der Kabine. Dabei spricht FCB-Trainer Jupp Heynckes seinem Topstar das Vertrauen aus. „Wenn er fit ist, dann ist er ein Mann, der spielt“, sagt Heynckes. Hm, interessant. Seiner Reaktion nach zu urteilen, sieht sich Arjen Robben als gesund an, fühlt sich längst für einen Einsatz bereit. „Er war enttäuscht. Das wäre ich auch gewesen als Spieler. Aber für einen Trainer gibt es gewisse Regeln. Sie müssen machen, was notwendig ist“, rechtfertigte der Routinier an der Seitenlinie gegenüber der BILD-Zeitung seine Nichtberücksichtigung des 27-Jährigen. Mal schauen, wie der sich verhält, wenn er aller Voraussicht nach im Kraichgau wieder nur draußen sitzt. Robben ist sowieso einer, der gerne aufmuckt. Nicht, weil er ein Störenfried ist, sondern weil er weiß, was er kann und wie wichtig er sein könnte. Das wird auch der 66-jährige Coach erkennen müssen und auf seinen Leverkusener Zögling Toni Kroos in den kommenden Wochen verzichten müssen. Und das, obwohl der 21-Jährige endlich das bringt, was er am Rhein bei Bayer schon gezeigt hatte.