Freitag, 1. Juni 2012

Nein, das war noch nicht das "Gelbe vom Ei"

Mit einem Sieg im Rücken zu einem großen Turnier zu fahren, das kann Auftrieb geben. Und doch bleiben einige Fragezeichen. Denn das, was die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen die internationale Großmacht Israel (Achtung Ironie!) beim 2:0-Testspielsieg zeigte, war noch längst nicht das viel zitierte "Gelbe vom Ei". Mitnichten, denn die DFB-Auswahl muss sich im ersten Gruppenspiel gegen Portugal bei der Euro 2012 in acht Tagen gewaltig steigern. Vor allem im Abschluss hakte es, teils beste Chancen wurden mitunter freistehend vergeben. Dazu fehlte im zentralen Mittelfeld ein richtiger Antreiber, Kroos und Khedira blieben schwach, leisteten sich Fehlpässe oder waren zu eng aufeinander. Auch Lukas "Poldi" Podolski darf noch ein bisschen mehr machen. Gut, manchmal wurde "Poldi" von seinen Mitspielern einfach übersehen. In EM-Form sind eigentlich nur Manuel Neuer und Kapitän Philipp Lahm, selbst der in der Innenverteidigung gesetzte Holger Badstuber wirkte etwas "angeschlagen". Nein, das hatte wohl nichts mit dem Trainingsstreit mit seinem bayerischen Teamkollegen Thomas Müller zu tun. Per Mertesacker zeigte sich - im Gegensatz zum 3:5 gegen die Schweiz - in besserer Verfassung, wurde aber auch kaum gefordert. Jérôme Boateng fiel auf der rechten Außenbahn durch seinen Offensivdrang auf, erzielte beinahe das erste Pflichtspieltor seiner Karriere (19. Pfosten). Besser machte es Mario Gomez, der humorlos abschloss. Ob er noch lacht, wenn er für Klose gegen Ronaldo und Co. weichen muss? Abwarten. Überzeugt hat mich Joker André Schürrle. Ein Spieler, der keine Anlaufzeit braucht. Einer, der vor dem gegnerischen Kasten sofort für Gefahr sorgt und zudem seinen 7. Treffer im 14. Länderspiel zum 2:0-Endstand machte. Glückwunsch!

Donnerstag, 31. Mai 2012

Neue „Wade der Nation“ oder falscher Alarm?

Es gibt nicht viele, die gerade in der Haut eines Mannes mit dem Namen Bastian Schweinsteiger stecken möchten. Gut, der 27-jährige Profikicker vom FC Bayern München verfügt über viel Geld, ist prominent und hat eine bildhübsche Freundin. Aber ist das wirklich alles, was man(n) braucht oder wovon man träumt. Denn „Basti“ hat es derzeit nicht einfach, es prasselt viel Kritik auf ihn ein. Dabei war sein verschossener Elfmeter im „Finale dahoam“ gegen den FC Chelsea einfach nur Pech. So etwas kann passieren. Und das auch, obwohl Schweinsteiger seit frühester Kindheit gegen den Ball trat und bis heute getreten hat. Nun ist der sympathische Blondschopf aus dem oberbayerischen Kolbermoor bei der Nationalmannschaft in Südfrankreich, bereitet sich mit der DFB-Auswahl auf die anstehende Europameisterschaft in Polen und der Ukraine vor. Zumindest versucht er es, aber die Wade zwickt – er trainiert auf dem Ergometer. Er spielte vor knapp zwei Wochen 115 Minuten mit Schmerzen, wollte den Titel unbedingt. Es hat eben nicht gereicht – Schwamm drüber, weiter geht’s. Bastian Schweinsteiger kann noch Pokale holen, sofern er sich Zeit lässt. Erst einmal sollte er wieder richtig gesund werden – und das auch im Kopf. Andauernde Kritik beschleunigt den Heilungsprozess bei seiner Wadenverletzung nicht unbedingt. Das sollten Experten, Medien, Fans und Gegner endlich kapieren. Lasst dem jungen Mann die Ruhe, um sich zu sammeln. Er wird in den entscheidenden Momenten da sein, davon bin ich überzeugt. Auch ihm haben wir Erfolge wie Platz drei bei der Heim-WM 2006 zu verdanken. Denn da ließ ein befreit aufspielender „Schweini“ die Sau raus und netzte zweimal ein. In der Ruhe liegt also die Kraft. Er wird noch große Spiele machen - nicht nur für seine Bayern.

Mittwoch, 30. Mai 2012

In eigener Sache: Mein Eintrag vom 7. April

In der Hinrunde spielte er kaum eine Rolle, sah seiner neuen Mannschaft regelmäßig von der Bank oder Tribüne zu. Dabei war er mit einigen Vorschusslorbeeren aus dem Frankenland in den Pott gewechselt. Die Rede ist vom deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan, der in der abgelaufenen Spielzeit zu den größten Leistungsträgern im Trikot des 1. FC Nürnberg gehörte. Beim Meister hatte der Deutsch-Türke so seine Schwierigkeiten, alles schaute auf Borussia Dortmund und den jungen Mann, der als Nachfolger des überragenden Spielmachers Nuri Sahin nach Westfalen gewechselt war. Die Fußstapfen des türkischen Auswahlspielers - der sein Glück bei den "Königlichen" von Real Madrid suchte - schienen zu groß zu sein für den 21-Jährigen. Jetzt - acht Monate später - ist Gündogan aus der BVB-Startelf kaum mehr wegzudenken, spielt ähnlich schöne Pässe wie Sahin. Spätestens seit seinem Last-Minute-Tor im DFB-Pokal gegen die Spvgg Greuther Fürth ist beim Neuzugang der Knoten geplatzt. Der von vielen (Möchtegern)Experten schon als Problemkind verspottete Fußballer hat die Antwort auf dem Platz gegeben. "Ich bin jetzt angekommen, brauche immer eine gewisse Zeit, um mich einzuleben", sagte der Profi. "Jetzt ernte ich die Früchte, dass ich nie an mir gezweifelt oder aufgegeben habe und immer dran geblieben bin." Sein Aufstieg ist gut, tut gut und ist schön anzusehen - nicht nur für die Fans der Borussen oder die sportliche Leitung um Coach Jürgen "Kloppo" Klopp. Auch Bundestrainer Joachim "Jogi" Löw dürfte sich freuen, wird den defensiven Mittelfeldallrounder bestimmt auf der Liste haben. Und zwar auf dem Papier, auf dem die 23 Namen für die Europameisterschaft im kommenden Sommer in Polen und der Ukraine stehen. Weiter so!

Dienstag, 29. Mai 2012

Wenn vier Spieler in den sauren Apfel beißen müssen

„Der Trainer hat das so entschieden, dann muss ich das eben akzeptieren“, sagen Sportler gerne mal und beißen sich dabei mit etwas Wut und Enttäuschung im Bauch auf die Zunge. So oder so ähnlich dürfte es auch den DFB-Nationalspielern Cacau, Marc-André ter Stegen, Sven Bender und Julian Draxler am Montag ergangen sein. Natürlich wären sie am liebsten mit zur Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine gefahren – und nicht in den Urlaub. Aber Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw musste aus seinem vorläufigen 27-köpfigen Aufgebot eben noch vier Akteure streichen. Dass er das einen halben Tag vor der endenden Frist am heutigen Dienstag um 12 Uhr tat, das verwundert. Aber nur etwas, denn schließlich stand das Trainergespann nach der bitteren 3:5-Pleite gegen die Schweiz unter Zugzwang. Doch als blinden Aktionismus kann man die Entscheidungen von Löw nicht bezeichnen – sie sind alle absolut nachvollziehbar. Denn der Stuttgarter Cacau, der zu „Jogis“ Lieblingsschülern zählt, hatte beim VfB zuletzt kaum Spielpraxis. Der Gladbacher ter Stegen durfte – ebenso wie der Schalker Draxler – mal ein bisschen reinschnuppern. Beide werden ihre Chance bekommen, wahrscheinlich schon bei der WM 2014 in Brasilien. Und für den Dortmunder Bender reichte es nach vielen hartnäckigen Verletzungen nicht, zudem ist das defensive Mittelfeld nicht nur positionsmäßig zu stark besetzt. Erfreulich, dass sein Ersatzmann beim BVB – Ilkay Gündogan – mitfahren darf. Er hatte sich in der Rückrunde beim Meister durchgesetzt, wuchs auch aufgrund des Fehlens von Mario Götze in die Rolle des Spielmachers hinein. Ich hatte seine EM-Berücksichtigung vor Wochen vorausgesagt, auch wenn ich dafür von vielen belächelt wurde. So ein bisschen Ahnung hab' ich wohl doch.

Montag, 28. Mai 2012

Schnelle Ablenkung durch "Schumi" und Co.

Zugegeben: Mit einem Endergebnis von 3:5 im Testspiel gegen die Schweiz hätte ich nicht wirklich gerechnet. Mal im ernst: Wer hat das schon? Wer dieses Resultat in einschlägigen Büros auf seinem Tippschein hatte, der dürfte sich ein nettes Sümmchen dazu verdient haben. "Verdient haben" sich auf die DFB-Auswahlspieler die Kritik, die danach auf sie einprasselte. Egal, ob das eine B- oder C-Elf war, die in Basel eklatante Schwächen offenbarte. Denn auch der zweite Anzug muss sitzen, wenn man in der Endspielgala von Kiew am 1. Juli mit dabei sein möchte. Während sich beinahe die komplette Mannschaft zum Formel 1-Grand Prix nach Monaco aufmachte, drehte Bundestrainer Joachim "Jogi" Löw einsam seine Runden - und zwar im Konferenzraum bei der Videoanalyse. Ein guter Entschluss, es gibt einiges aufzuarbeiten, das ab heute auf dem Trainingsplatz besser gemacht werden muss. "Besser gemacht" hätte es sicherlich gerne auch F1-Rekordweltmeister Michael Schumacher, der im sechsten Rennen seinen vierten technischen Defekt hinnehmen musste. Dennoch lässt der 43-Jährige den Kopf nicht hängen, wirkte auch vor dem Start auf die so gebeutelten Bayern-Stars motivierend ein. Sie konnten wieder lachen, zeigten sich vom Rennzirkus beeindruckt. Sie werden wieder aufstehen und mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft alles versuchen, um bei der EM erfolgreich zu sein. Ebenso wie "Schumi", der auch beim nächsten Rennen wieder auf sein Material vertraut. Ein stottertender Motor bedeutet bei ihm hingegen meistens das Ende, während der Bundestrainer noch wechseln kann oder könnte. "Weiter, immer weiter", hat Oliver Kahn einmal gesagt. Ein Motto, dass auch die Rennsportlegende berücksichtigt und die Bayern sollte es ebenso tun. Große Sportler erkennt man genau daran. Auf geht's!