Jetzt ist es also amtlich: Breno Vinícius Rodrigues Borges - genannt Breno - muss ins Gefängnis. Gestern verurteilte das Münchner Landgericht den brasilianischen Innenverteidiger zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten - ohne Bewährung. Ein harter Schlag für den 22-Jährigen, dessen Karriere als Fußballprofi damit beendet sein dürfte. Rückblick: 2008 verpflichtete der deutsche Rekordmeister FC Bayern München den so hochgelobten Abwehrspezialisten vom FC Sao Paulo für vier Jahre - umgerechnet 12,3 Millionen Euro soll der Mann gekostet haben. Eine stattliche Summe, die auf ein großes Können des Defensivallrounders hindeuten sollte. Doch - wie so oft - kam alles anders. Den Spieler aus Cruzeiro plagte an der Isar alsbald das Heimweh, zudem fehlten ihm die Sonne, seine Familie und seine Freunde. Für den damals 18-jährigen Heranwachsenden ein Schlag, ein sehr schwerer Schlag. Breno zog sich zurück, redete kaum und flüchtete sich in die Welt der sozialen Netze. Dazu - davon kann man heute ausgehen - suchte er Trost im Alkohol. Vor zwei Jahren lieh ihn der FC Bayern zum 1. FC Nürnberg aus, dort entwickelte sich der Spieler schnell weiter - hatte seinen Stammplatz sicher. Bis, ja bis ihn wieder einmal eine schwere Verletzung zurückwarf - Breno zog sich einen Kreuzbandriss zu. Er wechselte nach München zurück, absolvierte die Reha erfolgreich und fühlte sich fit. Doch für die Startelf reichte es nicht, auch weil Holger Badstuber, Jérôme Boateng, Daniel van Buyten, Anatoliy Tymoshchuk oder Luiz Gustavo den Vorzug bekamen. Zu viel für den jungen Mann, der mit so großen Vorschusslorbeeren nach Deutschland gekommen war. In einer letzten Verzweiflungstat, ob der vielen Rückschläge, zündete er in der Nacht zum 20. September 2011 seine Mietvilla in München-Grünwald an. Schade, dass es soweit kommen musste.
Donnerstag, 5. Juli 2012
Mittwoch, 4. Juli 2012
Wenn vielerorts mit den Muskeln gespielt wird
Ja, so ist das im Sport. Meistens gewinnt der Stärkste, der Erfahrenste und beziehungsweise oder der Schnellste. Doch nicht immer ist das der Fall, sonst würde vieles ganz anders laufen oder ganz anders aussehen. Dass der FC Bayern München durch und mit Matthias Sammer als neuem Sportvorstand automatisch wieder die Deutsche Nummer eins in der Fußball-Bundesliga wird, wage ich entschieden zu bezweifeln. Ebenso, dass BVB-Jungstar Mario Götze als echter Spielmacher (er bekommt die "10" auf dem Rücken) mit noch besseren Leistungen Borussia Dortmund mal eben zum dritten Meistertitel in Serie schießt. Oder aber, dass die Eintracht aus Frankfurt als Aufsteiger in die erste Liga locker die Klasse hält. Und das nur, weil sie gerade gefühlt den ganzen Transfermarkt leerräumen. Alle diese Dinge sind keine Garantie für (schnellen) Erfolg - es bedarf vieler vieler Rädchen, die richtig und effektiv ineinandergreifen müssen. Sicher, Sammer bringt Eigenschaften dieser Art mit. Auch ein Jahrhunderttalent wie der Dortmunder Edeltourist bei der EM kann Spiele alleine entscheiden. Aber es muss alles, aber auch wirklich alles passen. Dafür braucht es nicht nur einen starken Mann, einen schnellen Typen, einen starken Charakter oder einen "alten Hasen" im Geschäft. Nein, es ist das Zusammenspiel vieler Faktoren, die große Sieger oder siegreiche Mannschaften ausmachen. Das war schon immer so, ist so und wird auch immer so bleiben. Egal, ob in München, Dortmund oder Frankfurt - das waren jedoch nur drei willkürlich zusammengestellte Beispiele. Im Sport ist an "Viele Köche verderben den Brei" eben nichts dran - oder zumindest fast nichts. Einfach weiterkochen!
Dienstag, 3. Juli 2012
Wer soll diese Unersättlichen denn schlagen?
So, aber heute ist es soweit. Schon gestern wollte ich das hohe Lied auf die spanische Fußball-Nationalmannschaft singen. Bis, ja bis ein Deutscher unsanft dazwischen grätschte. Dass es am Sonntag im EM-Endspiel nicht ähnlich lief, das wissen wir - und wir haken das ganz schnell ab. Schließlich haben die Italiener die DFB-Auswahl zurecht im Halbfinale geschlagen. Die Jungs von Bundestrainer Joachim "Jogi" Löw sind einfach noch zu grün hinter den Ohren für Pokale. Wesentlich älter und reifer ist das italienische Team, doch gegen die Übermacht von der iberischen Halbinsel hatten auch sie keine Chance. Die Rekordjäger um Xavi, Iniesta und Co. holten den dritten Pott in Serie, schlugen Italien mit 4:0. Listen wir einfach mal auf: Die erste Titelverteidigung geschafft, das elfte K.O.-Spiel in Serie "zu Null" beendet, den Spieler des Turniers, den Torjäger und den besten Passgeber gestellt. Dazu ein Torwart, der fast 1000 Minuten in entscheidenen Partien ohne Gegentreffer geblieben ist. Wahnsinn, unglaublich - und nicht zu fassen. "Nach dem WM-Titel vor zwei Jahren haben alle gesagt, jetzt sind wir satt. Jetzt haben wir das Triple. Und wir sind noch lange nicht satt“, sagte Cesc Fabregas hinterher. Das klingt selbstbewusst, sehr selbstbewusst sogar. Doch von Arroganz kann und darf man hier nicht sprechen. Eher von absoluter Selbstsicherheit, purer Überzeugung - auf und abseits des Platzes. Man kann davor nur den Hut ziehen und gratulieren. 233 Titel haben die 23 EM-Akteure im Kader bis dato gewonnen, weitere werden folgen - mit Sicherheit. „Wir sind alle Freunde und normale Menschen geblieben, trotz der Erfolge, ergänzt Fabregas. Hm, stimmt - was auch sonst?
Montag, 2. Juli 2012
Wenn ein Sammer die Rekordjäger aus Spanien aussticht
Ja, so ist das im Profifußball.
Eigentlich wollte ich heute das hohe Lied auf den neuen und alten Europameister
aus Spanien singen, doch der FC Bayern München machte mir einen dicken Strich
durch die Rechnung. Denn um die Mittagszeit sickerte eine Nachricht durch, die
mich beinahe umgehauen hat. Sportvorstand Christian Nerlinger ist ab sofort beurlaubt,
noch heute wird über eine Vertragsauflösung verhandelt. Neuer starker Mann beim
Rekordmeister ist Matthias Sammer, der bisher die gleiche Position beim
Deutschen Fußball-Bund (DFB) bekleidete. Und dort stand Sammer, der im
vergangenen Jahr in gleicher Position fast beim Hamburger SV gelandet wäre,
eigentlich noch bis 30. Juni 2016 unter Vertrag. Dass Christian Nerlinger – es tut
mir leid, das sagen zu müssen – nicht annähernd an seinen Vorgänger Uli Hoeneß
heranreicht, das ist unbestritten. Und das sage ich nicht, weil der FC Bayern
das zweite Jahr in Serie ohne Titel geblieben ist. Klar, Nerlinger ist für die
Transfers verantwortlich. Aber wenn ein Louis van Gaal eben einen Pranjic oder
Braafheid unbedingt will, dann kann auch der gebürtige Dortmunder nichts dafür.
Dass die beiden Profis nicht die Kracher waren, wissen wir auch alle. Die Frage
ist, ob es Sammer – seit Jahren in München wohnhaft – bei sich vor der Haustür
ähnlich erfolgreich kann, wie rund um die Frankfurter Otto-Fleck-Schneise. Ungeschickt
nur, dass die Bayern Nerlinger am Freitag noch Neuzugang Mario Mandzukic am
Münchner Flughafen empfangen ließen – irgendwie wirkte der „Abgesägte“ da schon
ziemlich angeschlagen. Inzwischen weiß man warum. Sein Rausschmiss war schon
vor der EM beschlossen, aber man wollte keine Unruhe stiften. Dafür wird der „Feuerkopf“
aus Dresden sorgen – Gratulation, der erste Kracher ist also da.
Sonntag, 1. Juli 2012
Wer macht denn heute Abend das Rennen?
Wenn sich heute Abend (20.45 Uhr, MEZ) Titelverteidiger Spanien und Herausforderer Italien im EM-Finale in Kiew gegenüberstehen, dann ist Spannung garantiert. Schaffen die Spanier den dritten großen Titel in Serie oder schaffen die "verwandelten Italiener" die kleine Sensation? Gut möglich, schließlich zeigt die Elf von Cesare Prandelli tollen Sport, von der altbekannten Mauertaktik unzähliger Vorgänger ist nichts mehr übrig. Schon beim 1:1 im Gruppenspiel - ja, das Finale gab es schon in der Vorrunde - lieferten sich beide Mannschaften taktisch und spielerisch eine Partie auf Augenhöhe. Es war schön, das spanische Kurzpassspiel im Vergleich mit der italienischen Wundertüte zu sehen. Heute - das wissen wir alle - kann und wird die Partie nicht mit einem Remis enden (können). Schade eigentlich, denn verdient hätten es beide - keine Frage. Der Titelverteidiger hat ein tolles Team beieinander, seit 2008 spielen sie beinahe in unveränderter Formation miteinander. Auf der anderen Seite ein völlig umgebauter Kader, in dem mit Torwart Gianluigi Buffon und Spielmacher Andrea Pirlo nur noch zwei Weltmeister von 2006 mit von der Partie sind. Unbeeindruckt von politischen und finanziellen Schwierigkeiten in der Heimat sowie drohendem Ärger im Wettskandal traten die beiden Kontrahenten in Polen und der Ukraine auf - ihre Kaltschnäuzigkeit wusste zu gefallen. Verdient hätten beide den Pokal, keine Frage. Nicht nur, weil der Sport die Alltagssorgen zumindest für einen kleinen Augenblick vergessen macht. Ich würde es beiden von Herzen gönnen. Unserer deutschen Elf fehlt eben diese Nervenstärke im entscheidenden Moment (noch). Auf ein Neues bei der WM 2014!
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